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Gesellschaft CJZ Main-Taunus Kreis e.V.

Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit im Main-Taunus Kreis e.V.
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Spuren jüdischen Lebens: Flörsheim

Synagoge

Synagogengasse 1: Synagogenhof. Die Synagoge wurde in der Pogromnacht 1938 zerstört. Das Gemeindehaus aus dem 17. Jh. ist noch vorhanden. Bei Restaurierungen wurde eine Mikwe (Ritualbad) entdeckt, weiterhin die gut erhaltenen Darstellungen von Psalmen der Giebelinnenwand der Synagoge. Die Flörsheimer Synagoge gilt als die älteste im Nassauer Gebiet. Die erste Erwähnung eines Juden in Flörsheim datiert aus dem Jahr 1290.

Jahrhundertelang war den Juden die Ausübung fast aller Berufe verboten, außerdem der Besitz von Immobilien und damit die Landwirtschaft. Ein Handwerk zu erlernen war unmöglich, da die Zünfte als Zwangseinrichtungen zugleich auch christliche Gilden waren. So blieben nur Trödelhandel und Geldverleih. Dies spiegelte sich noch lange nach der Lockerung im 19. Jahrhundert. Fiel ein Markttermin auf einen jüdischen Feiertag, wurde der Markt kurzerhand verschoben.

Verlobter Tag

In Gottesdienst und Prozession gedenken die Flörsheimer am Verlobten Tag der Pestepedemie von 1666. Nicht nur für die Katholiken, für die ganze Gemeinde ist dies ein hoher Feiertag. Bis in die 1930er Jahre nahmen auch die jüdischen Flörsheimer an der Feier teil, indem sie mit einer Station auf dem Prozessionsweg an die jüdischen Opfer der Pest erinnerten. Dazu wurde das Memorbuch der jüdischen Gemeinde ausgestellt.

Mikwe (Ritualbad)

Im Keller des Hauses Hauptstraße 53/55 ist eine Mikwe mit 16 Treppenstufen aus der Zeit vor dem Dreißigjährigen Krieg erhalten. Sie war bis 1838 in Betrieb.

Gedenkstein für Jakob Altmeier

Am Konrad-Adenauer-Ufer steht ein Reliefstein. Es zeigt den „Gänsekippelschorsch“. Unter diesem Pseudonym schrieb der Flörsheimer Journalist Jakob Altmeier in den 1920er Jahren in der Flörsheimer Zeitung. 1889 in eine große jüdische Flörsheimer Familie hineingeboren, war er Soldat im ersten Weltkrieg, lebte anschließend u. a. in Frankfurt und Berlin und reiste häufig ins Ausland. Als Jude und Sozialdemokrat war er den Verfolgungen durch die Nationalsozialisten von Beginn an besonders heftig ausgesetzt, so dass er bereits 1933 emigrierte. 1948 kehrte er auf Bitten des SPD-Vorsitzenden Kurt Schumacher nach Deutschland zurück. Seit 1949 war er bis zu seinem Tod 1963 in Bonn Abgeordneter des Deutschen Bundestages. Jakob Altmeier war maßgeblich am Aufbau der Beziehungen zwischen Israel und der Regierung Adenauer beteiligt.

Friedhof

Am Wickerbach befindet sich der vermutlich älteste jüdische Friedhof am Untermain., erstmals urkundlich erwähnt 1448. Er wurde 1938 geschändet Nach der Wiedererrichtung wurde der Friedhof 1947 neu eingeweiht. Ein gleichzeitig eingeweihtes Denkmal erinnert an die ehemalige jüdische Gemeinde. Nach seinem Tod 1963 wurde hier der Bundestagsabgeordnete und Flörsheimer Ehrenbürger Jakob Altmeier beigesetzt.

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