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Die Gottlosen. Antijüdische Tradition und innerchristlicher Wortkampf in der Zeit der Glaubensspaltung

Vortrag mit Prof. Dr. W. Frey

15. April 2014


Gemeindehaus St. Vitus - 19.30 Uhr
Kapellenstr. 1a, Kriftel


In religiös geprägten Gesellschaften werden Angehörige anderer Gruppen als der tonangebenden als Abweichler, als Verräter, als Ketzer betrachtet und bezeichnet – oft durch die Verwendung des Sammelbegriffs „Gottlose“, der sie für alle sichtbar, verständlich aus der Gemeinschaft der Rechtgläubigen ausschließen soll.

In die Rolle der „Gottlosen“ wurden im Christentum immer wieder die angeblich gegen ihrem und der Christen Gott treulosen, ‚perfiden’ Juden gedrängt und so aus der christlich geprägten Gemeinschaft ausgeschlossen. Bei innerchristlichen Konflikten benutzte man sie gerne als Vergleichsobjekte, indem man dem innerchristlichen Gegner vorwarf, zu sein „wie die Juden“, also gottlos. Man hielt es daher für nötig, wenn nicht für verdienstlich und gottgefällig, sie „wie die Juden“ zu bedrängen oder aus der christlichen Gesellschaft zu eliminieren.
In der Zeit der Glaubensspaltung  des 16. Jahrhunderts wurde oft genau so gedacht, propagiert und gehandelt: Der jeweils andere (ob Lutheraner, Reformierter, Täufer, ‚Papist’) wurde als gottlos charakterisiert, indem man ihn mit ‚den Juden’ verglich und ihm deren Schicksal vor Augen führte.

Im Vortrag wird es darum gehen, diese Tradition kurz in ihrer Geschichte und Funktion zu beschreiben, danach sollen verschiedene Formen der Diskriminierung mit Hilfe des ominösen Vergleichs an Beispielen aus dem gesamten 16. Jahrhundert vorgestellt werden.

Prof. Dr. W. Frey ist emeritierter Professor der Goethe-Universität Frankfurt.