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Die versäumte Gelegenheit zur Toleranz gegenüber den Juden: Anselms von Canterbury „Cur deus homo“ (Warum Gott Mensch geworden)

Vortrag mit Prof. Dr. W. Frey

23. März 2016


Kath. Gemindehaus St. Vitus - 19.30 Uhr
Kapellenstr. 1a, Kriftel


Anselm von Canterbury, geboren um 1033/1034 in Aosta, Abt der Benediktinerabtei Bec in der Normandie, Erzbischof von Canterbury, berühmter Theologe, Heiliger der katholischen Kirche, Kirchenlehrer, gestorben 1109 in Canterbury, hat in seinem noch heute durch die Klarheit der Argumentation beeindruckenden Hauptwerk Cur deus homo (Warum Gott Mensch geworden) die christliche Theologie der Erlösung auf eine neue Grundlage gestellt, indem er den heilsnotwendigen Tod Jesu als einen göttlichen Akt der Sühne „allein aus seiner Macht“ interpretiert hat, als einen durch die Sünden der Menschen im Wortsinne notwendig gewordenen Gnadenakt.

In dieser Theorie spielen ‚die Juden‘, sonst insbesondere verkörpert im Verräter Judas, die von alters her als Schuldige am Tod Jesu, als Gottesmörder bezeichnet und behandelt wurden (was eine furchtbare Blutspur in der Geschichte des Christentums hinterließ!) keine, zumindest keine wichtige Rolle mehr. Der Schüler Boso, der Anselm als Gesprächspartner dient, bringt das so zum Ausdruck: „Du hast begründet bewiesen, daß die Mörder Christi zur Verzeihung ihrer Sünden gelangen konnten“.

Hätten christliche Theologen und Herrscher diese – gut begründete – Ansicht Anselms ernst genommen, hätte die christlich-jüdische Geschichte einen anderen Verlauf nehmen können. Man kann spekulieren, ob es den Antijudaismus weiter hätte geben können, noch mehr, ob es den Antisemitismus hätte geben können. Ausgeführt werden soll, welche Wirkung Anselms Werk gehabt hat.

Prof. Dr. W. Frey ist emeritierter Professor der Goethe-Universität Frankfurt.